Queere Auslegung adventlich-weihnachtlicher und österlicher Bibelverse

Die exegetische und hermeneutische Betrachtung der ausgewählten Bibelstellen nimmt nicht für sich in Anspruch nun einen neuen Skopus der altbekannten Texte gefunden zu haben. Auch werden in den Texten Queers (Schwule, Lesben, Bi-, Transsexuelle (LGBTQ)) nicht ausdrücklich-explizit erwähnt. Vielmehr geht es darum, verborgene queere Aspekte zu entdecken, die in großer Ähnlichkeit, Parallelität und Analogie zu queeren Lebensformen und -realitäten stehen. Diese Andachten wurden regelmäßig seit 2005 im queeren Zentrum gehalten.

Inhaltsverzeichnis der besprochenen Bibelstellen

1. Jesaja 8,23-9,1 (Matthäus 4,14-16)
2. Jesaja 11,4-8
3. Jesaja 53,1-12 (nicht direkt adventlich)
4. Matthäus 1,5-6
5. Matthäus 2,1-12
6. Lukas 1,30.31.34.35 (Matthäus 1,18.20)
7. Lukas 1,46-55
8. Lukas 2,1-20

Anhang: Passion und Ostern aus queerer Sicht
9. Markus 16,1-7 (Kreuz und Auferstehung)
10. Lukas 24,2-3 (Das Leere Grab)




1. Jesaja 8,23-9,1 (Matthäus 4,14-16)

Queers, die wegen ihres Queerseins, z.B. ihrer Homosexualität ausgegrenzt wurden, deren schöne Erfahrungen mit (queerer) Liebe von ihrer Umgebung abgewertet wurde, die aus ihren Familien ausgestoßen wurden, die ins Gefängnis kamen, obwohl sie für und mit einem anderen Menschen nur Positives erlebt hatten, die fühlten und fühlen sich wie ein Volk, das im Dunkeln lebt und das in der Finsternis wohnt (Jes 9,1). Gerade ihnen gilt die Weihnachtsbotschaft des hellen Lichtes (Jes 9,1).




2. Jesaja 11,4-8

Der hier angekündigte Messias, auf den wir in der Adventszeit warten und dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern, wird für die (im Ansehen) Geringen (hebr: Dalim) Recht sprechen (we-shapat) und den elendig Leidenden (Anwej) ihr Recht verschaffen (we-hochiach). Queers waren jahrhundertelang solche Geringen und Leidenden in den meisten Ländern. So gilt gerade auch ihnen diese adventliche Verheißung, nämlich Gerechtigkeit, also Gleichberechtigung und Akzeptanz, wie jeder andere Mensch zu erlangen.
Ganz besonders aktuell ist im Advent 2016 diese Verheißung, denn endlich scheint der Bundestag bereit, die in den ersten 20 Jahren der Bundesrepublik Deutschland gemäß § 175 gefällten Unrechtsurteile als menschenrechtswidrig aufzuheben und den Betroffenen eine Entschädigung zu zahlen. Im Eckpunktepapier des Bundesjustizministeriums von 2016 heißt es: Homosexuelle "Handlungen unterfallen – wie einverständliche heterosexuelle Handlungen – als freie Entfaltung der Persönlichkeit dem Schutz des Grundgesetzes (Art. 2 GG) und der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Ihre Kriminalisierung und die daraus resultierende Strafverfolgung Homosexueller sind menschenrechtswidrig. Niemand soll den Fortbestand des Strafmakels aus einer darauf beruhenden Verurteilung hinnehmen müssen. Der Gesetzgeber wird dieses Unrecht daher in Form eines Aufhebungsgesetzes korrigieren."
Siehe hierzu den Artikel "§ 175: Regierung hat keinen Zeitplan für Aufhebung der Urteile".




3. Jesaja 53,1-12

Jesaja ist ein adventlich-weihnachtlicher Prophet, weil wir bei ihm (vor allem Kapitel 9 (siehe oben) und 11) die wichtigsten Aspekte der Menschenwerdung Gottes, der Geburt Jesu viele Jahrhunderte im voraus finden.

In Jesaja 53 wird nicht speziell seine Geburt vorhergesagt, aber Wesen und Charakter von Jesus insgesamt, speziell seines Leidensweges, der am Weihnachtsfest geboren wird. Dieser hier vorhergesagte Leidensweg zeigt frappierende, ins Auge springende Ähnlichkeiten zum jahrhundertelangen Leidens- und Verfolgungsweg von Queers:

Vers 3: "verachtet und von den Menschen gemieden", "man wendet sich ab von ihm", "nicht (wert-)geschätzt". - alles Erfahrungen, die Queers zur Genüge gemacht haben.

Vers 4: "Wir (die Mehrheitsgesellschaft) meinten, er wäre von Gott geschlagen" - fromme Kreise, die Homosexualität als Sünde und Strafe Gottes annahmen und damit Queers besonders stark herabwürdigten.

Vers 6: "Wir hatten uns alle verirrt." - Eine Erfahrung, die (gerade auch fromme) Homophobe machen, wenn sie sich vorurteilsfrei mit Homosexualität, Queersein beschäftigen und Queers persönlich begegnen.

Vers 7: "Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf." - In den langen Jahrhunderten der Verfolgungsgeschichte haben Queers sich meist nicht gewehrt, alles über sich ergehen lassen, wurden noch selbstaggressiv und haben sich für ihr Queersein gehasst. Im Unterschied zu den politischen Gefangenen verhielten sich Queers auch so unter den Nazis und im KZ. Aber selbst in den Verfolgungszeiten der frühen Bundesrepublik Deutschland haben sich Queers weggeduckt und ihre Sexualität im Verborgenen gelebt, statt sich selbst bewusst gegen die repressiven Strukturen und Menschen zu wehren. Dies änderte sich erst Ende der 60er-Jahre.

Vers 8: "Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick?" - die jahrhundertelange, gegen queers gerichtete Justiv-Verfolgungsgeschichte.

Vers 9: "Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, ... obwohl er kein Unrecht getan hat." - Selbst nach der Todesstrafe wurden Queers noch als ruch- und ehrlose Menschen diskriminiert und - wenn überhaupt - nur auf eine herabwürdigende Weise bestattet - obwohl sie durch ihren einvernehmlichen, queeren Sex kein Unrecht taten, nämlich niemanden schadeten.

Vers 11: "Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht." Hier tritt wieder ein Aspekt von Weihnachten hervor - das Licht des Stalls von Bethlehem als Zeichen der Nähe und Liebe Gottes. Dies ist allen Leidenden, auch den leidenden Queers, zugesagt. Sollten sie in eine der zuvor erwähnten Notlagen kommen, dann ist dieser Vers - speziell zu Weihnachten - ihre geistliche Ermutigung.




4.Matthäus 1,5-6

Im Stammbaum Jesu kurz vor dem Bericht von seiner Zeugung und Geburt befinden sich auch Personen, deren Verhalten durchaus im queeren, schwul-lesbischen Sinn gedeutet werden kann. In Mt 1,5 wird Ruth in Mt 1,6 König David genannt.

Ruth lebte in einer Frauenbeziehung zu ihrer Schwiegermutter Na'omi. Als ihr Mann, Na'omis Sohn, gestorben war, wollte sie die weibliche Gemeinschaft mit ihrer Schwiegermutter nicht auflösen, sprach den berühmten, zärtlichen und für lesbische Trauungen sehr passenden Satz: "Rede mir nicht ein, dich zu verlassen und mich von dir abzuwenden und umzukehren. Denn wohin du gehst, dahin gehe auch ich. Und wo du bleibst, da bleibe auch ich." Mit diesen Worten zieht Ruth mit ihrer Schwiegermutter nach Israel und heiratet dort letztendlich (heterosexuell) den Boas.

David pflegte mit Jonathan, dem Sohn König Scha'uls, eine zärtlich-homoerotische Freundschaft: "Und Jonathan ließ auch David bei seiner Liebe zu ihm schwören, denn er liebte ihn wie sein eigenes Leben." (1.Sam 20,17) - "Dann küssten sie einander und weinten miteinander. David hörte nicht auf zu weinen."(1.Samuel 20,41) - Nach dem Tod Jonathans klagt David mit zärtlich erotischen Worten: "Ich trauere sehr um dich, mein Bruder Jonathan; du warst mir sehr lieb. Deine Liebe war für mich großartiger als die Liebe einer Frau." (2.Samuel 1,26)




5.Matthäus 2,1-12

Die Geburt Jesu löst eine sich immer mehr steigernde und ausweitende Welle des Lichts, der Erkenntnis der göttlichen Wahrheit, der Freude aus. Es beginnt mit einer kleinen, verachteten Gruppe, nämlich den Hirten (siehe unten Kapitel 6.) die dem Licht und der Wahrheit Gottes folgt und zieht dann Kreise bis in die etablierten, bürgerlichen Schichten.

Genauso war die Entwicklung der queeren Bewegung, der Schwulen- und Lesbenbewegung: Es begann mit kleinen verachteten, belächelten, bekämpften Gruppen, vergleichbar den verachteten Hirten, die zuerst zur Krippe kamen:
Karl Heinrich Ulrichs als Einzelkämpfer,
das wissenschaftlich-humanitäre Komitee von Magnus Hirschfeld als absolute Randerscheinung,
schließlich die kleinen kämpferischen Schwulen- und Lesbengruppe in den 1960er- und 1970er-Jahren, deren Außenseiterdasein sich dadurch zeigte, dass sie oft in linksradikale Gruppen eingebunden waren, weil ihnen andere politische Gruppen keine Heimat boten.

Dann aber setzten sich die Gedanken des Guten, der Menschenrechte mehr und mehr durch, fanden Platz in den Parteien des Parlaments und schließlich sogar bei konservativen Parteien: von den Grünen über die SPD zur CDU/(CSU). Dementsprechend und ganz analog kommt in einer 2.Phase in der Weihnachtsgeschichte das Licht und die Wahrheit des Jesuskindes zu den bürgerlichen Vertretern, den 3 Weisen ("Könige) (Mt 2,1), deren Wohlstand an den Möglichkeiten einer weiten Reise und den Geschenken (Mt 2,11) sichtbar wird.

Die Weisen suchen den König der Juden (Mt 2,2), auf den sie ein Stern hingewiesen hat. Die Weisen stammen aus einem anderen Volk - vermutlich aus Persien. Jesus wird als Jude geboren, in das Volk der Juden hineingeboren. Das jüdische Volk war und ist ein Minderheitenvolk - genauso wie Queers.
Die alte Bezeichnung für Juden, beziehungsweise für ihre Herkunftsgruppe ist "Hebräer" (2.Mose 3,18). Die Hebräer werden - auf denselben Wortstamm zurückgehend - in altägyptischen und akkadischen Quellen " 'pr " oder "apiru" genannt. Diese ist nicht nur eine Minderheitengruppe, sondern zusätzlich eine diskriminierte Minderheit: Es waren die sozial Deklassierten, Abgewerteten, Ausgegrenzten des Alten Orients, die die einfachsten Hilfsarbeiten zu leisten hatten - wie die Israeliten in Ägypten (2.Mose 1,11+16). So steht das jüdische Volk den Queers als Minderheitengruppe und als diskriminierte Gruppe nahe. Und als Gott auf die Welt kommt, wird er in das Volk einer diskriminierten Minderheit hineingeboren. Queers, die genau zu so einer Gruppe gehören, dürfen sich deshalb mit vollem Herzen beim Jesuskind in Bethlehem zu Hause fühlen und mit ihrem Queersein ganz besonders wiederfinden.




6.Lukas 1,30.31.34.35 (Matthäus 1,18.20)

Es handelt sich hier um die berühmte Bibelstelle, auf der der Glaube der Jungfrauengeburt beruht.

- Der Engel Gabriel kündigt Maria an, dass sie schwanger sein wird, ohne vorher Hetero-Sex gehabt zu haben. Hetero-Sex fällt aus, und trotzdem gibt es Nachwuchs, ein Kind. Das sei denjenigen entgegengehalten, die behaupten, die Menschheit würde aufgrund von Queers aussterben.

- Der (Heilige) Geist (Lk 1,35; Mt 1,18.20) heißt hebräisch Ruach, und die Ruach ist zumeist weiblichen Geschlechts (Plural: Ruchot). Also haben wir hier lesbischen Sex zwischen Maria und der Ruach. 2 Frauen haben Sex miteinander, und das Ergebnis ist ein göttliches Kind.

- Joseph, der Vertreter des männlichen Geschlechts hat gar keinen Sex mit (s)einer Frau und steht am Rande, weil er nur den queeren lesbischen Sex stören würde. Jospeh tritt hier überhaupt nicht als Heterosexueller in Erscheinung.
Geht man vom katholischen Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens aus, dann werden die Verhältnisse noch anti-heterosexueller: Es gibt zwischen Joseph und Maria lebenslang keinen heterosexuellen Verkehr.




7. Lukas 1,46-55

Hier - im sogenannten Lobgesang der Maria - wird Gott von Maria gepriesen - im Blick auf ihre Schwangerschaft mit Jesus Christus, dem Gottessohn. Queers fühlten und fühlen sich durch ihre Ausgrenzungserfahrung und die Erfahrung, verachtet zu werden, manchmal wie kleine, erniedrigte Menschen. Genau diese Menschen preist Maria im Namen Gottes selig:
- Gott schaut auf "(segnet) Niedrigkeit" (Lk 1,48),
- Gott "erhöht die Niedrigen" (Lk 1,52),
- Gott "beschenkt Hungernde" (Queers hungern nach Gerechtigkeit und Akzeptanz.) (Lk 1,53).




8.Lukas 2,1-20

Queers wurden und werden diskrimiert, ausgegrenzt, ausgestoßen und erleben sich zuweilen als Fremde in ihrer Lebenswelt.

Da die lukanische Weihnachtsgeschichte mehrfach von Ausgrenzungs- und Fremdheitserfahrungen berichtet, können sich Queers hier mit ihren Problemen und ihrem Leiden wiederfinden.

- Listen
Die Weihnachtsgeschichte nimmt dadurch ihren Anfang, dass ein Erlass ergeht, dass alle Bewohner "apografestai" (V 1) (sich in eine (Steuer-)Liste eintragen lassen, in eine Liste eingetragen werden) (Census). Das gilt auch für Maria und Joseph. Der "antike Leser ... weiß, dass mit einem Census eine brutale Eintreibung von Steuern für Rom beginnt, die zumal die Ärmsten nicht verschont."(Stegemann, Wolfgang: Das Weihnachtsevangelium des Lukas. Im historischen Kontext gelesen, Korrespondenzblatt der ev-luth. Kirche in Bayern, 12 (Dezember 2015), 165-170, 168) - Es "wurden die Abgaben zu einer unerträglichen Last." (Stegemann, Ekkehard W.; Stegemann, Wolfgang: Urchristliche Sozialgeschichte, Stuttgart, Berlin, Köln 1995, 113)
Seit dem 19. Jahrhundert bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Queers in Mitteleuropa auch in sogenannte Rosa Listen (wikipedia-Artikel "Rosa Liste") der Polizei und des Staates zwangsweise eingetragen. Sie wurden dadurch noch zusätzlich diskriminiert und an den Rand gedrängt, und es erging ihnen ähnlich wie den Armen zur Zeit von Jesu Geburt mit der Eintragung in Steuerlisten.(Vers 1,2,3,5)
Die queere Emanzipationsbewegung in München hat diese Diskriminierung durch (Rosa) Listen aufgenommen und umgedreht, indem sie eine Partei "Rosa Liste" gründete, die in der Münchener Kommunalpolitik sehr erfolgreich ist.

- Fremdheitserfahrung
Maria und Joseph gehören eigentlich zur Familie Davids in Bethlehem im Stamm Juda. Deshalb müssen sie zur Volkszählung dorthin ziehen.
Ein Israelit, der in einem fremden Stamm wohnte, galt als Fremder: Ein Levit z.B., der im Stammesgebiet Ephraim wohnt, wird als Fremder bezeichnet (Richter 19,1).
So waren Maria, Joseph und dann auch Jesus als Angehörige des Stammes Juda in ihrem Wohnort Nazareth im Stammesgebiet Sebulon sozusagen Fremde. In ihrem Herkunftsort Bethlehem, wo sie schon lange nicht mehr wohnten, waren sie bei der Geburt Jesu sowieso Fremde.
Ihre Alltagserfahrung ähnelt damit der Fremdheitserfahrung von Queers, die von der Mehrheitsgesellschaft mehr oder weniger ausgegrenzt werden. Eine weitere Fremdheitserfahrung machen manche Queeers in neuester Zeit. Durch zunehmende Gentrifizierung und Individualisierung im Zusammenhang mit der Verlagerung des Soziallebens in elektronische Kommunikation schrumpft in vielen Orten die öffentliche queere Szene, bisher ein Ort der Vertrautheit in einer teilweise fremden Gesellschaft. Durch Schrumpfen dieser vertrauten Orte nimmt - vor allem bei älteren Queers, die mit elektronischen Medien und Plattformen wie Grindr und Gayromeo nicht mehr klarkommen - die (auch weihnachtliche) Fremdheitserfahrung zu. (Vers 4)

- Ausgrenzung
- Maria und Jospeh finden keine Unterkunft in Bethlehem und sind damit Ausgegrenzte (Vers 7b) - so wie Queers es auch erleben.
- Als Maria und Joseph eine Unterkunft finden, ist diese auch ein Zeichen der Ausgrenzung: Jesus wird in einer Krippe gelegt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er in einem Stall geboren wurde. In Israel waren Ställe ungemütliche Höhlenställe, naß, kalt und viel ungemütlicher als ein Holzstall - ein Ort extremer Erniedrigung und Ausgrenzung. (Vers 7a)
- Hirten (Vers 8) waren eine der verachtetsten Berufsgruppen, von der Mehrheit der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie sind die ersten, denen Gott durch die Engel die Geburt des göttlichen Kindes mitteilt (Vers 10-11), und sie sind die ersten Besucher an der Krippe (Vers 16). Das ist ein Zeichen für Gottes Segen für die Ausgegrenzten und Verachteten.

So ist die klassische Weihnachtsgeschichte eine Ermutigung für die, die aus den verschiedensten Gründen ausgegrenzt sind, auch für die queere, sexuelle Minderheit.




Anhang: Passion und Ostern aus queerer Sicht

9. Markus 16,1-7 (Kreuz und Auferstehung)

Im Leiden, Kreuzigung und Tod Jesu Christi konnten sich früher und können sich auch heute Queers mit ihrer Lebenslage wiederfinden.
Jesus wurde mit übler Nachrede und falschen Beschuldigungen, z.B. der Gotteslästerung und eines geplanten politischen Umsturzes, überzogen. Genau dies erfahren Queers, wenn sie beschuldigt werden: sie würden geheime Netzwerke aufbauen, sie wären nur lustorientiert und nicht an einer dauerhaften Beziehung interessiert, wenn ihre Art der Sexualität als Gebundenheit in der Art einer Drogensucht beschrieben wird, wenn als Folge ihrer Sexualität der Selbstmord behauptet wird und am allerschlimmsten, wenn sie mehrheitlich als Päderasten (Kinderschänder) beschrieben werden.
Jesus wurde unschuldig zum Tode am Kreuz verurteilt. So werden auch heute Homosexuelle in manchen Ländern zum Tod verurteilt (z.B. Saudi-Arabien, Iran), obwohl sie niemanden geschädigt haben. Daneben werden Queers auch in liberaleren Staaten von Homophoben umgebracht (z.B. Matthew Shepard in den USA).
Urheber der Leiden Jesu waren Religionsvertreter. Auch heute verursachen homophobe Religionsvertreter das Leiden von Queers, von denen sich nicht wenige trotzdem nicht von Gott, Jesus Christus und dem Glauben wegdrängen lassen, obwohl sie allen Grund dazu hätten. (Eine Verschärfung christlicher Homophobie, die bis heute teilweise fortwirkt, begann vor allem im Spätmittelalter.)

Ostern bedeutet: Christus überwand die mörderische Gemeinheit der Menschen, auch von Religionsvertretern, indem er vom Tod auferstand.
So können auch die zunehmende Toleranz, die zunehmenden Rechte und die gestiegene Liberalisierung gegenüber Queers in den letzten Jahrzehnten wie eine kleine Auferstehung, wie ein neues Leben verstanden werden.

10. Lukas 24,2-3 (Das leere Grab)

Jesu Grab war eine Grabhöhle mit einem Stein davor. Die Grabhöhle ist so etwas wie ein Gefängnis – zu vergleichen mit dem Gefängnis, in dem ungeoutete Queers leben – wie durch einen Stein eingeschlossen. Im Englischen sagt man für das ungeoutete Leben: „to live in the closet“, im Schrank (eingeschlossen) leben.

Beides ist ein Ort der Trauer, wie die Anhänger/innen Jesu traurig am Ostermorgen zum Grab gehen. Wer sich outet als schwul, lesbisch, trans, der geht manchmal auch heute diesen Schritt traurig/ängstlich.

Wer den Schritt aber macht, der wälzt den Stein seines Verstecks weg und geht heraus aus der Höhle – wie Jesus am Ostermorgen bei seiner Auferstehung. Es ist die Erfahrung von Befreiung, neuem Leben – eben wie eine Auferstehung. Der Stein ist weggewälzt, das Versteck gesprengt, ungeahnte Lebensmöglichkeiten bieten sich – offen und neu zu leben.

Das ist queeres, schwules, lesbisches – Ostern.



Die herausragende Rolle von Frauen als erste Predigerinnen der Auferstehung zu Ostern zeigt eine (queere) Alternative zur damals vorhandenen Übermacht von heterosexuellen Männern.




- Hier findet sich eine Predigt über 1.Mose (Genesis) 1,27 mit einer queeren Auslegung der Zweigeschlechtlichkeit.

- Wenn Sie sich allgemein für das Verhältnis von Christentum und Homosexualität interessieren, finden Sie hier einen weiteren Aufsatz.

Hier finden Sie eine queere Auslegung der Geschichte von Jakobs nächstlichem Kampf am Jabbok (1.Mose 32,23-33).
Dazu weitere Literatur:
Söderblom, Kerstin: "Kämpfen mit einem queeren Gott?" Aspekte einer queeren Theologie, in: Schmelzer, Christian: Gender Turn. Gesellschaft jenseits der Geschlechternorm, Bielefeld 2013, 173-187 (S.179: "Die beiden Männer wälzen sich durch den Matsch und kämpfen körperlich miteinander. ... eine erotische Begegnung". - S.180: "Der Unbekannte bleibt geheimnisvoll und jenseits einer zuweisbaren Geschlechtsidentität oder Rollenidentität. ... Obwohl er als Mann eingeführt wird".
Cornwall, Susannah: Wild rice and Queer Dissent: Wrestling with God in Gen 32:22-32, in: Isherwood, Lisa, u.a.: Wrestling with God. En lucha con Dios. Ringen mit Gott, Leuven 2010, 61-74 (S.63: "a profoundly erotic element in the man-on-man encounter between Jacob and his brawny adversary"),
Guest,Deryn/Goss,Robert E./West,Mona/Bohache,Thomas: The Queer Bible Commentary, London 2006 (S.48: "wrestling, especially wrestling all through the night, is a powerfully masculine image of male/male lovemaking." -
S.47: "Esau represents heteronormative masculinity ... Jacob ... in tents, Genesis is questionning his masculinity - Jacob is effeminate - perhaps also his sexuality. .. Rebecca ... loves her femmy son ... so that the straight butch, born to rule, is displaced by and must therefore defer to, the swishy, delicate, pretty boy.".) - "Esau war ein Mann geworden, der sich auf die Jagd verstand, ein Mann des freien Feldes. Jakob dagegen war ein untadeliger Mann und blieb bei den Zelten." (Genesis/1.Mose 25,27) - "Esau ... aß gern Wildbret." (Gen 25,28) - "Darauf gab Jakob dem Esau Brot und Linsengemüse." (Gen 25,34)

Hier finden Sie das von der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) im Oktober 2016 herausgegebene Heft „'Hier ist nicht Mann noch Frau' Recht auf Gleichbehandlung ungeachtet sexueller Orientierung und Identität" mit ethischen Argumenten und gottesdienstlichen Hilfen

Hier finden Sie regelmäßig queere tagesaktuelle Artikel aus der evangelischen Kirche: kreuz & queer


Seit einigen Jahren gibt es immer mehr (schwul-lesbische,) queere Weihnachtsmärkte, die auch von Heterosexuellen besucht werden, aber zeigen sollen, dass die Weihnachtsbotschaft sehr gut zur Lebenssituation von Queers passt:

- München (Glockenbachviertel, Stephansplatz): Pink Christmas, der am längsten, nämlich seit 2005 bestehende queere Weihnachtsmarkt:
Website, auf muenchen.de, weitere Infos und auf Facebook.
Im Jahr 2018 gibt es hier sogar eine jüdisch-religiöse Kerzen-Entzündung im Rahmen des Chanukka-Festes. Auf der Website (s.o.) ist zu lesen: "'Pink Chanukka‘. ... In diesem Jahr möchten Beth Shalom, die liberale jüdische Gemeinde München und das Generalkonsulat des Staates Israel gerne mit euch gemeinsam feiern und ... die zweite Kerze am Hanukkah-Leuchter entzünden."

- Hamburg (St.Georg, Lange Reihe): Winterpride seit 2010:
Website, weitere Infos und auf Facebook.

- Köln (Mauritiuswall): Heavenue - The Gay Christmas Market (bis 2017: Christmas Avenue) seit 2012:
Website, auf Facebook.

- Frankfurt (Friedrich-Stoltze-Platz): Rosa Weihnacht seit 2012:
Website und auf Facebook.

- Darmstadt (Friedensplatz): vielbunter Weihnachtsmarkt (nur an den Wochenenden) seit 2014:
Website und auf Website 2.

- Heidelberg (Marktplatz): Pink Monday (nur am Montag nach dem 1.Advent) seit 2014:
Website, Website 2 und auf Website 3.
Außerdem begleitet die evangelische Heiliggeistkirche dort am Marktplatz den Pink Monday mit einer Andacht und einem Orgelkonzert (Website und facebook-Website).

- Toronto, Kanada, beim queeren Zentrum "The 519", 519 Church St.: PINK XMAS Market seit 2015:
Website.




(Queere Weihnachtsmärkte, die nur wenige Jahre bestanden:

- Berlin am Nollendorfplatz, 2005
Web-Info

- Amsterdam: Weihnachtsmarkt Roze Kerstmarkt, 2008-2012
Web-Info

- Stockholm: Weihnachtsmarkt Pink Christmas, 2009-2013
Web-Info and für 2012: das Gesamtprogramm.

- Wien (Naschmarkt): Pink Christmas, einer der der größten queeren Weihnachtsmärkte mit 70 Hütten, 2014-2015:
Website und auf Facebook.

- Mannheim (Neckarstadt, Alter Bahnhof): Rosa Christkindlmarkt, nur 2015:
Web-Info).


Seit 2011 gibt es jährlich die Sammelbände "Pink Christmas. Andere Weihnachtsgeschichten" (1-6) im Himmelstürmer-Verlag, die ca 10 adventlich-weihnachtliche Kurzgeschichten aus der queeren Lebenswelt enthalten, bei der die Weihnachtstradition und der christliche Weihnachtsglaube seinen Platz hat. Der aktuelle Band 8 hat die ISBN: 978-3863617295.


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